Der News Cycle in Österreich ist oft ganz einfach erklärt. Neben dem üblichen medialen Tagesgeschäft – sich selbst Geschichten überlegen, Presseaussendungen überfliegen usw. – bekommen Journalisten ihre Storys immer wieder von Twitter. Einfach, weil sich die österreichischen Medienmenschen dort versammeln. (Wir übrigens auch.)

Politiker, Journalisten und „Experten“ bilden unsere österreichische Twitter-Bubble. Und am 1. September sorgte da kurz für Lacher, dass man beim Benutzen der Dating-App „Tinder“ auf Werbung von Christian Kern stoßen kann. Der Ursprungstweet:

Und das sieht auch zugegebenermaßen lustig aus. Die SPÖ wirbt auf Tinder? LOL! Es konnte also nicht lange dauern, bis jemand aus der Politik diese Pointe aufnimmt.

Drei Tage später, am 3. September, spielte der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ darauf an:

Hofer: Dann leben Sie in einer, in einer, in einem Paralleluniversum. Ja, das ist, nein, Sie sind da engstens verflochten, in diesem System. Und noch ganz kurz. Sie werben auf der Dating-Plattform Tinder, da schreiben Sie…

Rendi-Wagner: Na, ich nicht, nein, aber …

Hofer: Sie wollen ‚bitte nur kleine Spenden bis maximal 20.000 Euro‘, also nur, nur kleine Beträge…

Und ja, eh. Er ist nicht der Urheber der Geschichte, aber er ist nun mal Politiker und wir checken Politikeraussagen. Die „SPÖ wirbt auf Tinder“-Geschichte ist jedenfalls falsch. Das erklärte Web Developer Fabian Pimminger in einem kurzen Rant auf – erraten – Twitter.

Mit ein bisschen weniger Anglizismen erklärt heißt das: Nein, die SPÖ wirbt nicht auf Tinder. Sie wirbt auf Facebook, und Facebook zeigt Werbungen generell auch anderswo. Dass die Kern-Werbung in einer Dating-App erscheint, ist Zufall und vermutlich nicht so gewollt. Auch, wenn die SPÖ es mit Humor nimmt. Zwar ist die Werbung auf Tinder sichtbar, aber die SPÖ hat sie nicht gezielt dort geschalten. Die Aussage ist „Halbrichtig“.