Heinz-Christian Strache und die Medien, das ist nicht immer eine einfache Beziehung. Das weiß man, wenn man sich seinen Facebook-Auftritt ansieht. Und das weiß auch Corinna Milborn, die das offensichtlich getan hat.

Die Puls 4-Moderatorin fragte im Sommergespräch mit dem FPÖ-Chef als Erstes nach seinem Verhältnis zu den Medien. Strache erwiderte, dass es absolut okay sei und dass er sich freue, hier zu sein. Im weiteren Verlauf wirkte er aber nicht mehr so glücklich. Als es um die Wählerschaft der Freiheitlichen ging – und darum, dass Frauen sie wesentlich seltener wählen als Männer – meint Strache:

Corinna Milborn: Bei der letzten Nationalratswahl hab ich mir angesehen, wie Männer und Frauen gewählt haben.

Heinz-Christian Strache: Jetzt bin ich gespannt.

Milborn: Da haben 28 Prozent der Männer FPÖ gewählt, aber nur 16 Prozent der Frauen.

Strache: Das find ich jetzt sehr interessant. Welches Institut ist das?

Milborn: Das ist SORA.

Strache: Weil ich kenn nämlich von OGM eine Umfrage, ich kann mich an eine Umfrage von 2013 erinnern …

Milborn: Jetzt haben Sie mir gerade vorher erklärt, dass Sie nicht an Umfragen glauben …

Strache: Wenn Sie mir eine Umfrage zitieren und auch dem geschätzten und geneigten Publikum zitieren, dann sollten Sie auch die diversen veröffentlichten Medien aus dem Jahr 2013 nachlesen, wo Umfragen veröffentlicht worden sind – nach der Wahl! -, wo genau das Gegenteil veröffentlicht worden ist. Nämlich, dass wir den Unterschied der Wählerschicht zwischen Mann und Frau schließen konnten 2013. Im Unterschied zu Jörg Haider.

Milborn: Ich glaub, Sie meinen Wien.

Strache: Nein, bei der Nationalratswahl.

Milborn: Und bei der Bundespräsidentschaftswahl war das auch so: Männer hätten Hofer gewählt, zu 56 Prozent, Frauen haben aber zu 62 Prozent Van der Bellen gewählt. Deswegen ist Van der Bellen Bundespräsident geworden.

Strache: Bei Hofer haben Sie Recht, bei der Stichwahl, wo es um die absolute Mehrheit gegangen ist. Bei den anderen Beispielen haben Sie nachweislich nicht Recht. Ich werde Sie gern dann auch im Anschluss der Sendung darüber informieren. Nämlich: Seit 2010 haben wir diese Lücke zwischen Männern und Frauen  in der Wählerschaft schließen können. Nämlich schon bei der Wiener Wahl 2010, bei der Nationalratswahl 2013 und bei der Wien-Wahl 2015. Auch Medien mussten das eingestehen.

 

Dann probieren wir eben, das nachzuweisen. Corinna Milborn bezieht sich auf die Nachwahlbefragung von SORA. Dieses Institut arbeitet bei Wahlen vor allem mit dem ORF zusammen und hat unter anderem das Wahlergebnis der Bundespräsidentschaftswahl mit Hochrechnungen ziemlich genau vorhergesagt. Die Ergebnisse, auf die sich Corinna Milborn bezog, sind hier genauer abrufbar.

Da es sich allerdings um Befragungen handelt und nicht alle Bürger gefragt wurden, ist eine solche Untersuchung – wie immer bei quantitativer Sozialforschung – nicht ein zu 100 Prozent genauer Wert, sondern eine möglichst genaue Annäherung. Das heißt nicht, dass die Zahlen von SORA unseriös sind. Das heißt aber auch, dass man sie nicht „nachweislich“ falsifizieren kann. Dazu müsste man jede Frau, die die FPÖ gewählt hat, fragen – und dabei auf die Ehrlichkeit der Aussagen vertrauen können.

Was den Trend angeht, den Strache konstatiert: Auch bei den Wien-Wahlen 2010 und 2015 wählten mehr Männer als Frauen die FPÖ – sogar in jeder Alterskohorte. Der Unterschied ist zwar wirklich kleiner geworden, aber er ist immer noch da.

Wien-Wahl 2010 nach Geschlecht

Wien-Wahl 2015 nach Geschlecht

Das „nachweislich falsch“ ist also eine heikle Aussage, aber Strache begründet das ja. Er will andere Zahlen kennen. Er könne sich an eine Umfrage von OGM erinnern – also haben wir dort nachgefragt. Wolfgang Bachmayer, Chef von OGM, sagte uns:

 

„Es ist korrekt, dass OGM in seinen (auch mehrfach an Medien gelieferten) Umfragen eine sichtbare Verringerung des oft von verschiedenen Seiten zitierten ‚Gender Gap‘ bei der FPÖ feststellen konnte. Das wurde nach meiner Erinnerung in einigen Medienberichten auch erwähnt, aber nicht in das Zentrum des Berichts oder der Ergebnisgrafiken gestellt.

Dieses Verringerung  der Geschlechterlücke begann etwa mit der Flüchtlingswelle und insbesondere seit Ereignissen wie der Kölner Silvesternacht und späteren Berichten zu Übergriffen auf Frauen und dürfte daher mit verstärktem Sicherheitsbedürfnis der Frauen in einem Zusammenhang stehen.

Nach wie vor hat aber die FP unter Männern einen höheren Wähleranteil als unter Frauen.“

 

Sieht man sich die Ergebnisse der letzten Umfrage an, die OGM für den „Kurier“ erstellt hat, ergibt sich zwar immer noch, dass mehr Männer vier Prozent öfter als Frauen die FPÖ wählen. Allerdings wählen auch mehr Männer die SPÖ, die ÖVP und die NEOS (je zwei Prozent mehr als Frauen). Nur die Grünen werden von mehr Frauen als Männern gewählt. Dass insgesamt mehr Männer in dieser Statistik aufscheinen, erklärt OGM-Chef Bachmayer damit, dass Frauen mehr zu Antworten wie „Unentschlossen“ neigen oder die Aussage verweigern.

Insofern hat Heinz-Christian Strache in diesem Fall recht – erstens gab und gibt es wirklich auch andere Umfragen dazu, die besagen, dass die Geschlechterlücke sich schließt. Und zweitens wird der Abstand zwischen den Geschlechtern auch kontinuierlich kleiner – zumindest, wenn Strache als Spitzenkandidat antritt. Die Ergebnisse der Nationalratswahl 2013 und die Nachwahlbefragung von SORA zu bestreiten, ist zwar kein Argument – aber der Punkt stimmt. Wir werten diese Aussage als richtig.