Im vierten ORF-Sommergespräch am Montagabend kritisierte SPÖ-Chef Christian Kern vor allem die türkis-blaue Koalition. Er konterte aber auch einem Parteikollegen, dem burgenländischen Landesrat Hans Peter Doskozil. Dieser bezeichnete das neue SPÖ-Programm als “grün-linke Fundipolitik”. Klimapolitik sei laut Kern aber eine “Menschheitsfrage” und könne auch ein “enormer Hebel für Gerechtigkeit” sein. Konkret sagte Kern:

Aber das Thema Klimawandel ist schon ein ganz entscheidendes. Weil wir erleben, dass sich die Situation immer weiter zuspitzt. Wir haben 16 der 17 heißesten Sommer seit Aufzeichnungen im 21. Jahrhundert gehabt. Wir haben die Situation, dass wir mittlerweile mehr Hitzetote haben als Verkehrstote in Österreich. Wir haben Dürre, wir haben Trockenheit, wir haben Schädlinge, in den Flüssen sterben die Fische. Da kann man doch nicht mehr wegschauen!

Bis vor kurzem gab es keine Zahlen dazu, wie viele Tote in Österreich aufgrund von Hitzewellen sterben. Erst heuer hat die Agentur für Gesundheit (AGES) die Hitzetoten erstmals berechnet, wie der Falter berichtet. Dabei untersuchte die AGES aber nicht die Todesursachen, sondern bedient sich rein statistischer Methoden. Die Sterblichkeit der Bevölkerung ist nämlich über das Jahr hinweg nicht gleichmäßig verteilt. Im Winter sterben grundsätzlich mehr Menschen als im Sommer. Diese Schwankungen sind sehr gut dokumentiert, schreibt die AGES auf ihrer Website, und zwar so gut, dass sich sehr genau schätzen lässt, wie viele Menschen in einer Woche sterben werden. Sterben in einer Woche mehr Menschen als erwartet kommt es zu einer sogenannten “Übersterblichkeit”, die im Winter oft gleichzeitig mit Grippe-, im Sommer eben mit Hitzewellen auftreten. Daraus berechnet die AGES die “Hitze-assoziierte Übersterblichkeit”.

Im Jahr 2017 gab es demnach 587 Hitzetote, dem stehen 414 Getötete im Straßenverkehr gegenüber, wie die Zahlen der Statistik Austria belegen. 2016 gab es hingegen keine Hitzewelle – und damit auch keine Hitzetoten, im Verkehr kamen aber 432 Menschen ums Leben. Im Rekordsommer 2015 starben 1.122 Personen aufgrund der Hitzewelle – deutlich mehr als die 479 Verkehrstoten.

Wie viele Menschen an Hitzewellen sterben schwankt also sehr stark – stärker als die Zahl der Verkehrstoten. Seit 2013 sind aber mehr Menschen an der Hitze, nämlich 2737, als aufgrund von Verkehrsunfällen (2210) gestorben. Für das vergangene und aktuellste Jahr stimmt die Behauptung ebenfalls: Es gibt aktuell mehr Hitze- als Verkehrstote. Wir bewerten die Aussage von Christian Kern daher als richtig.